Gesundheitliche Folgen
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Gentechnik-Pflanzen sind nach wie vor mangelhaft untersucht. Negative Effekte könnten dabei sowohl durch den gentechnischen Eingriff selbst, die gebildeten Stoffen oder (im Fall von herbizidresistenten Gen-Pflanzen) durch die eingesetzten Pestizide entstehen. Fest steht jedoch, dass es bislang nur sehr wenige Studien (vor allem keine Langzeituntersuchungen) zu möglichen gesundheitlichen Folgen von Gentechnik-Pflanzen gibt. Der Großteil dieser Studien wurde von den Gentechnikkonzernen durchgeführt und brachte - erwartungsgemäß - keine Hinweise auf gesundheitliche Schäden. Ein Teil der durchgeführten Untersuchungen zeigt jedoch durchaus, dass es zu unerwünschten bzw. unerwarteten Auswirkungen kommen kann. Eine abschließende Bewertung ist nach derzeitigem Kenntnisstand allerdings nicht möglich.
Gesundheitsschäden durch Pestizideinsatz bei Gentechnik-Pflanzen
(Siehe Menüpunkt Pestizide)
„Wo sind die wissenschaftlichen Studien die zeigen, dass gentechnische veränderte Pflanzen und Lebensmittel toxikologisch unbedenklich sind?” Zu
dieser Einschätzung kommt ein im Jahr 2007 veröffentlichter Artikel, in dem die wissenschaftliche Literatur nach aussagekräftigen Toxizitätsstudien
durchleuchtet wird. Ergebnis: bei den meisten bisherigen Untersuchungen handelt es sich um Kurzzeitstudien, die zusätzlich zum Großteil
Futterverwertungsstudien sind (nimmt z.B. das Versuchstier zu oder ab). Aus solchen Studien lassen sich so gut wie keine Rückschlüsse über die
Giftigkeit einer gentechnisch veränderten Pflanze ziehen.
Toxicity studies of genetically modified plants: a review of the published literature (2007) (engl.) [mehr]
Laut einer Norwegischen Untersuchung gab es bis zum Jahr 2003 nur zehn veröffentlichte Studien, die sich mit den gesundheitlichen Aspekten von
gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln beschäftigen. Besonders interessant: Fünf davon wurden direkt oder indirekt von Gentechnikkonzernen
durchgeführt. Natürlich zeigten sich keine negativen Auswirkungen. Die restlichen fünf wurden unter unabhängigen Bedingungen durchgeführt: Alle fünf
kamen zu dem Ergebnis, dass es messbare Effekte gibt.
In vivo studies on possible health consequences of genetically modified food and feed—with particular regard to ingredients consisting of
genetically modified plant materials (2003) (engl.) [mehr]
Im Jahr 2009 veröffentlichte der Verband der US-Umweltmediziner einen Aufruf, in dem ein Stopp für Gen-Lebensmittel gefordert wird. [mehr]
Eine Studie der Universität Piacenza aus dem Jahr 2005 brachte erstmals den Nachweis, dass Bruchstücke von gentechnisch veränderte Erbinformation
(in diesem Fall von Monsantos MON810-Mais) im Blut sowie in Leber, Milz und Nieren von Schweinen nachweisbar sind.
Assessing the transfer of genetically modified DNA from feed to animal tissue (2005) (engl.) [mehr]
Eine aufgrund ihrer Versuchsanordnung umstrittene Langzeit-Studie der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft mit MON810-Mais konnte diese
Ergebnisse bei Milchkühen allerdings nicht bestätigen. Die Studie wurde am 25.03.2009 im Bayerischen Landtag vorgestellt. [mehr]
Greenpeace: Studie der TU München auf Unbedenklichkeit von Gen-Mais-Fütterung bei Tieren ist nicht haltbar [mehr]
Diese Frage der Nachweisbarkeit transgener DNA ist insofern bedeutsam, als für Fleisch und andere Produkte von Tieren, die mit Gentechnikpflanzen gefüttert wurden keine
Kennzeichnungspflicht besteht, da man bislang davon ausging, dass transgene DNA nicht in den Körper übergeht. Eine jüngst in Neuseeland
veröffentlichte Studie fasst weitere Untersuchungen zusammen, die darauf hindeuten, dass gentechnische Konstrukte in Fleisch oder tierischen Produkten nachgewiesen werden können.
Report on animals exposed to GM ingredients in animal feed (2009) (engl.) [mehr]
Damit widerspricht der Bericht einer Untersuchung der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA, die keine Hinweise auf das Vorkommen von transgener Fremd-DNA in Tieren sieht.
EFSA statement on the fate of recombinant DNA or proteins in meat, milk and eggs from animals fed with GM feed (2007) (engl.) [mehr]
Eine Fütterungs-Studie des italienischen Forschungsinstitutes für Ernährung und Lebensmittel kommt zu dem Ergebnis, dass der Gen-Mais MON 810
signifikante Veränderungen im Immunsystem bewirken kann. Die Auswirkungen von MON 810 wurden an gerade nicht mehr gesäugten und an älteren Mäusen
überprüft. In Darm, Milz und Blut der Versuchstiere wurden Veränderungen gemessen, die auf Entzündungen oder allergische Reaktionen hindeuten. Am
stärksten war der Effekt laut Studie bei Jungtieren.
Intestinal and Peripheral Immune Response to Mon 810 Maize Ingestion in Weaning and Old Mice (2008) (engl.) [mehr]
Eine Langzeitstudie mit Mäusen brachte zutage, dass die Fütterung mit Gentechnik-Soja den Alterungsprozess der Leber beeinflusst.
A long-term study on female mice fed on a genetically modified soybean: effects on liver ageing (2008) (engl.) [mehr]
Das Forscherteam um Manuela Malatesta hatte bereits in früheren Studien bei Mäusen bei Fütterung mit gv-Soja unregelmäßige Zellkerne in der Leber und
eine hohe Stoffwechselrate gefunden und war zu der Schlussfolgerung gekommen, dass die Leber von Mäusen, die RoundupReady-Soja zu fressen bekommen,
härter arbeiten muss als die von Mäusen, die mit natürlicher Soja gefüttert werden.
Ultrastructural morphometrical and immunocytochemical analyses of hepatocyte nuclei from mice fed on genetically modified soybean (2002) (engl.)
[mehr]
Ultrastructural analysis of pancreatic acinar cells from mice fed on genetically modified soybean(2002) (engl.) [mehr]
Eine Untersuchung der Genmais-Linien NK 603, MON 810 und MON 863 durch französische Wissenschaftler erbrachte Hinweise auf toxische Wirkungen,
möglicherweise durch den Einsatz des Pestizids Roundup. Doch auch Veränderungen, die durch den gentechnischen Eingriff im Stoffwechsel der Pflanzen
ausgelöst wurden könnten nach Angaben der Forscher die Ursache sein.
A Comparison of the Effects of Three GM Corn Varieties on Mammalian Health (2009) (engl.) [mehr]
Deutschsprachige Zusammenfassung der Studie [mehr]
Monsantos Gentechnik-Mais MON863 ist bereits seit Jahren Gegenstand hitziger Debatten. In Monsantos im Rahmen des Zulassungsverfahrens
durchgeführten Fütterungsversuch an Ratten zeigten sich selbst nach statistischer Trickserei deutliche Hinweise auf
gesundheitliche Risiken. Die Tiere zeigten sowohl Anzeichen für eine Schädigung von Leber und Niere als auch, im Vergleich zu mit konventionellem Mais
gefütterten Ratten, deutliche Unterschiede in der Gewichtszunahme. Ans Licht der Öffentlichkeit gelangten die Unterlagen allerdings nur, weil die
Umweltorganisation Greenpeace die Herausgabe von Monsantos Fütterungsstudie auf dem Klageweg erzwungen hatte.
New analysis of a rat feeding study with a genetically modified maize reveals signs of hepatorenal toxicity (2007) (engl.) [mehr]
Deutsche Zusammenfassung der Studie: [hier]
Die spannende Geschichte des MON863 können Sie [hier] nachlesen.
Ein besonders interessanter Versuch wurde im Jahr 2008 veröffentlich (allerdings noch nicht in einer wissenschaftlichen Zeitschrift).
Wiener Forscher wollten herausfinden, ob sich Auswirkungen einer Verfütterung von Gentechnik-Mais auf die Fruchtbarkeit von Versuchsmäusen erst nach
mehreren Generationen zeigen. Als Versuchspflanze wurde eine Kreuzung zweier Monsanto-Maissorten verwendet, die Linie NK603xMON810. Unter anderem
zeigten sich dabei „signifikant negative Effekte der GV Diät im 3. und 4. Wurf“.
Biological effects of transgenic maize NK603 x MON810 fed in long term reproduction studies in mice [mehr]
Agrarheute, 11.12.2008 [mehr]
Australische Wissenschaftler versuchten vor wenigen Jahren, ein Bohnen-Gen in die Felderbse einzubauen. Dieses sollte einen an sich harmlosen Stoff
produzieren und Fraßschädlinge abhalten. Durch minimale Veränderungen an dem Bohnen-Gen wurde der Stoff jedoch offenbar zu einem starken Allergen.
Transgenic Expression of Bean α-Amylase Inhibitor in Peas Results in Altered Structure and Immunogenicity (2005) (engl.) [mehr]
Harmlos in Bohnen, giftig in Erbsen (Süddeutsche Zeitung, 21.11.2005) [mehr]

