Pestizide/Roundup
Rund 80 Prozent der weltweit angebauten Gentechnik-Pflanzen (rund 100 Millionen Hektar) sind resistent gegen das Totalherbizid Roundup bzw. dessen Wirkstoff Glyphosat. Roundup galt lange Jahre als biologisch unbedenklich. Doch in den letzten Jahren wird immer klarer, dass das meistverkaufte Pestizid der Welt in seiner Giftigkeit erheblich unterschätzt wurde. Dies ist gravierend, da sein Einsatz in den Ländern, in denen herbizidresistente Gentechnik-Pflanzen angebaut werden, ständig steigt. Insbesondere in den USA, aber auch in Argentinien und Brasilien werden immer neue Unkräuter unter den Bedingungen großflächiger Monokulturen resistent gegen die Dauerbehandlung mit Roundup (siehe Ökologische Folgen). Die Folge: Immer mehr Roundup und Gesundheitsgefahren für Mensch und Tier. Dass mit der Einführung von Gentechnik-Soja die Glyphosat-Rückstände in Lebensmitteln massiv ansteigen würden erkannte die EU bereits vor vielen Jahren: Der zulässige Höchstwert wurde daher drastisch erhöht und liegt jetzt 200mal höher als der Durchschnittswert für Pestizide in Lebensmitteln.
Höchstmengen für Glyphosat-Gehalte in Lebensmitteln in der EU
Richtlinie 2006/60/EG der Kommission [mehr]
Eine gute Zusammenfassung der Risikobewertung von Roundup finden Sie in dem Artikel „Gute Gründe gegen Roundup“
(GID 189, August 2008) [mehr]
In den USA stieg der Verbrauch von Glyphosat zwischen 1994 und 2005 um das 15-fache. In Argentinien verdreifachte sich der Verbrauch allein
zwischen den Wirtschaftsjahren 1999/2000 und 2005/06 von 65 auf 200 Millionen Liter.
Who benefits from gm crops? (2009) (engl.) [mehr]
Der intensive Einsatz des Pestizids bei Monsantos herbizidresistenter Soja führt z.B. in Argentinien oder Paraguay zu massiven gesundheitlichen
Problemen bei der Landbevölkerung.
Paraguay Sojero (2006) (Studie liegt leider nur auf spanisch vor) [mehr]
Argentinien: Kranke Dörfer - Gesundheitskrise durch herbizidintensive Sojaproduktion (IPS, 5.3.2009) [mehr]
In einer Untersuchung aus Taiwan werden die Symptome beschrieben, die Suizidversuche mit Roundup nach sich ziehen. Diese reichen von
Atembeschwerden, Lungenödemen, Bewusstseinstörungen bis hin zu Nierenversagen. Aus dieser und anderen Studien lässt sich ableiten: Ein Glas
Roundup stellt eine potentiell tödliche Dosis dar.
Clinical presentations and prognostic factors of a glyphosate-surfactant herbicide intoxication: a review of 131 cases (2000) (engl.) [mehr]
Französische Forscher veröffentlichten im Jahr 2008 eine Untersuchung, nach der schon bei geringsten Mengen Roundup Schäden bei menschlichen Zellen
bis hin zum Zelltod auftraten. Die schädlichen Werte lagen um ein Vielfaches unter den offiziell erlaubten Gehalten. [mehr]
Glyphosate Formulations Induce Apoptosis and Necrosis in Human Umbilical, Embryonic, and Placental Cells (2008) (engl.) [mehr]
Schon früher hatte die Arbeitsgruppe um Gilles Eric Seralini eine Untersuchung veröffentlicht, die nahe legte, dass Roundup die menschliche
Reproduktion und die Fötalentwicklung stören könnte.
Time- and dose-dependent effects of roundup on human embryonic and placental cells (2007) (engl. Zusammenfassung) [mehr]
Vor allem scheint Roundup das Hormonsystem bzw. den Zellstoffwechsel negativ zu beeinflussen. Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2002 kommt es
beim Einsatz von Glyphosat zu Störungen in der Regulation des Zellzyklus.
Pesticide Roundup provokes cell division dysfunction at the level of CDK1/cyclin B activation (2002) (engl.) [mehr]
Darauf aufbauend kam die selbe Forschergruppe zu dem Ergebnis, dass bei Menschen, die sich in der Nähe des Pestizids aufhalten,
Glyphosat-Konzentrationen auftreten, die 500 – 4000 mal höher liegen als diejenigen, die laut der Untersuchung als gesundheitsgefährdend gelten
müssen.
Glyphosate-based pesticides affect cell cycle regulation (2004) (engl.) [mehr]
Hauptverantwortlich für die gesundheitlichen Risiken könnten, mehr noch als Glyphosat selbst, Zusatzstoffe sein, die dem Pestizid Roundup
beigemischt werden. Als besonders schädlich gilt z.B der Stoff POEA. In einer Studie aus dem Jahr 2005 wurde entdeckt, dass POEA höchst toxisch für
Embryos in der Phase der ersten Zellteilungen ist und die Zellentwicklung hemmt.
A glyphosate-based pesticide impinges on transcription (2005) (engl.) [mehr]
Störungen des Hormonsystems sowie toxische Auswirkungen auf menschliche Plazentazellen wurden in einer Studie aus dem Jahr 2005 gefunden.
Differential Effects of Glyphosate and Roundup on Human Placental Cells and Aromatase (2005) (engl.) [mehr]
Störungen des Hormonsystems wurden auch bei Mäusen nachgewiesen. Forscher untersuchten die Auswirkungen auf Hormone, die für die männlichen
Sexuafunktionen bedeutsam sind und konnten Störungen der Testosteronbildung nachweisen.
Roundup Inhibits Steroidogenesis by Disrupting Steroidogenic Acute Regulatory (StAR) Protein Expression (2000) (engl.) [mehr]
Gerade die Wirkung auf das Hormonsystem könnte den ebenfalls beobachteten Zusammenhang zwischen Roundup und einer erhöhten Fehlgeburtenrate
erklären. So zeigte sich in einer Feldstudie bei Bauernfamilien im US-Bundesstaat Ontario, dass Glyphosat zu einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko
führt, insbesondere in der Spätphase von Schwangerschaften.
An Exploratory Analysis of the Effect of Pesticide Exposure on the Risk of Spontaneous Abortion in an Ontario Farm Population (2001) (engl.) [mehr]
Auch bei trächtigen Ratten sowie deren Nachwuchs wurden „funktionelle Abnormalitäten“ in verschiedenen Organen gefunden.
Effect of the herbicide glyphosate on enzymatic activity in pregnant rats and their fetuses (2001) (engl. Zusammenfassung) [mehr]
Einer der führenden Embryonenforscher Argentiniens entdeckte im Jahr 2009, dass das Pestizid Roundup bei Amphibienembryos zu schweren Missbildungen
führte. Und das schon bei minimalen Dosen, wie sie etwa in Rückständen in Soja-Lebensmitteln vorkommen können. Diese Studie ist allerdings noch
nicht veröffentlicht.
Roundup Dämmerung? [mehr]
Zudem finden sich in der wissenschaftlichen Literatur zahlreiche Hinweise darauf, dass Roundup eine Rolle bei der Entstehung verschiedener
Krebsformen, insbesondere des so genannten Non-Hodkins Lymphoms spielen könnte.
A case-control study of non-Hodgkin lymphoma and exposure to pesticides (1999) (engl.) [mehr]
Pesticide exposure as risk factor for non-Hodgkin lymphoma including histopathological subgroup analysis (2008) (engl.) [mehr]
Dies könnte wiederum eine Folge von durch Roundup ausgelösten DNA-Schädigungen sein.
Genotoxicity of AMPA, the environmental metabolite of glyphosate, assessed by the Comet assay and cytogenetic tests (2009) (engl. Zusammenfassung) [mehr]
Auch eine Studie ecuadorianischen Wissenschaftler ergab, dass das Pestizid die menschliche DNA schädigt. In Ecuador wird im Rahmen des US-Kriegs
gegen den Drogenanbau großflächig Roundup auch über Dörfern versprüht. Die Forscher untersuchten die Opfer solcher Sprühflugzeuge.
Evaluation of DNA damage in an Ecuadorian population exposed to glyphosate (2007) (engl.) [mehr]

