Beteiligte Landkreise: 32
Aktuelles Statement: Maximaler Einsatz für Schöpfungsverantwortung un...
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Alternativen

Schon heute, bei einer Weltbevölkerung von rund sieben Milliarden Menschen, ist die Landwirtschaft führend in der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen und dem Verbrauch der wichtigsten Ressourcen. Sie ist einer der Hauptverursacher von Bodenschädigung, des globalen Wasserverbrauchs (70 Prozent), des Rückgangs der Biologischen Vielfalt und verantwortlich für 17 – 32 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen. Ein weiter so wie bisher ist keine Option. Das ist auch das zentrale Aussage des Weltagrarberichts. Das im Auftrag von Welternährungsorganisation und Weltbank erstellte Dokument, an dem über 400 Wissenschaftler aus aller Welt mitgewirkt haben, kam zu dem Ergebnis, dass kleinbäuerliche Strukturen, Regionalität, Artenvielfalt, Mischanbau und organische Düngung – und nicht Industrielandwirtschaft, Patente und Gentechnik - die wichtigsten Garanten einer sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltigen Lebensmittelversorgung von künftig 9 Milliarden Menschen ist. Die Industrievertreter verließen den Weltagrar-Rat wenige Monate vor Verabschiedung des Berichts unter Protest, als er zu dem Ergebnis kam, dass Gentechnik derzeit nichts zur Überwindung des Hungers beitragen kann. Bezeichnend auch, dass Deutschland, Heimat von zwei der weltgrößten Agrarkonzerne (Bayer und BASF), sich nicht an dem Bericht beteiligte. Alle wichtigen Dokumente finden Sie [hier]


54 Staaten wollen radikale Agrarreform
Monokulturen, gentechnisch veränderte Pflanzen, Biosprit: Die Landwirtschaft erreicht mit ihren bisherigen Anbaumethoden die Grenzen des Möglichen.
(Süddeutsche Zeitung, 15.4.2008) [mehr]


Eine kritische Studie zum Thema Landwirtschaft veröffentlichte im Jahr 2009 die Deutsche Bank. Ergebnis auch hier: Die Bedeutung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft für die globale Lebensmittelversorgung ist enorm. Der Bericht fordert eine Agrarpolitik, die sich an Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit orientiert. Die Gentechnik wird kritisch betrachtet und vor der Abhängigkeit armer Bauern von Saatgutfirmen gewarnt.
Lebensmittel – Eine Welt voller Spannung (Deutsche Bank Research, 2009) [mehr]


Energieintensiv: Die industrielle Landwirtschaft verbraucht - im Gegensatz zum Beispiel zu traditionellen Anbausystemen in Entwicklungsländern - mehr Energie, als sie in Form von Produkten wie Mais, Reis oder Weizen hervorbringt.
Energy Inputs in Food Crop Production in Developing and Developed Nations (2009) (engl.) [mehr]


Die Folgekosten der intensiven konventionellen Landwirtschaft sind beträchtlich: Für Großbritannien errechneten britische Forscher (unter Aussparung der schwer zu beziffernden Schäden an der biologischen Vielfalt) Kosten von 208 £ (nach heutigem Kurs rund 235 Euro) pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und Jahr.
An assessment of the total external costs of UK agriculture (2000) [mehr]


Einer äußerst konservativen Berechnung zufolge liegen die Folgekosten der landwirtschaftlichen Produktion für die Allgemeinheit in den USA zwischen 5,7 und 16,9 Mrd. US-$ jährlich.
External costs of agricultural production in the United States (2004) (engl.) [mehr]


Einer realistischeren Analyse zufolge, die von der Union of Concerned Scientists durchgeführt wurde, verursacht jedoch allein die Intensivtierhaltung in den USA (inklusive Subventionen) gesellschaftliche und ökologische Folgekosten von jährlich über 35 Mrd. US-$.
CAFOs Uncovered - The Untold Costs of Confined Animal Feeding Operations (Union of Concerned Scientists, 2008) (engl.) [mehr]


Der Ökolandbau ist dabei eine Möglichkeit, um den ökologischen Fußabdruck (und die damit verbundenen Folgekosten) heutiger landwirtschaftlicher Produktionssysteme zu verringern. Forscher der Universität Exeter haben z.B. schon vor Jahren berechnet, dass die Folgekosten der landwirtschaftlichen Produktion Großbritanniens durch eine Umstellung auf Ökolandbau von 1,5 Mrd. Pfund auf rund 0,4 Mrd. Pfund gesenkt werden könnten.
An assessment of the full cost of the UK weekly food basket (2005) (engl.) [mehr]


Laut einer US-Studie aus dem Jahr 2007 wäre es selbst bei einer globalen Umstellung aller landwirtschaftlichen Flächen auf Ökolandbau möglich, die derzeitige Weltbevölkerung (und mehr) zu ernähren, ohne dass weitere Flächen nutzbar gemacht werden müssten.
Organic agriculture and the global food supply (2007) (engl.) [mehr]


Auch eine Langzeituntersuchung, bei der die Produktivität verschiedener landwirtschaftlicher Anbausysteme im US-Staat Wisconsin verglichen wurde, kam zu dem Ergebnis, dass ökologisch bewirtschaftete Flächen genau so produktiv sind wie konventionelle.
Organic and Conventional Production Systems in the Wisconsin Integrated Cropping Systems Trials: I. Productivity 1990–2002 (2008) (engl.) [mehr]


Mit Methoden des Ökolandbaus konnten die Erträge in verschiedenen afrikanischen Staaten um durchschnittlich 116 Prozent (in Ostafrika sogar um 128 Prozent) gesteigert werden. Neben einem höheren Einkommen führte die Umstellung auch zu Verbesserungen der Umwelt und den sozialen Beziehungen der dörflichen Gemeinschaften. Das Umweltprogramm (UNEP) und die Entwicklungsorganisation (UNCTAD) der Vereinten Nationen stellen in dem Bericht zudem fest, dass seit der Einführung der konventionellen Landwirtschaft in Afrika in den 1960er Jahren die Nahrungsmittelproduktion pro Kopf um 10 Prozent gesunken ist.
Organic Agriculture and Food Security in Africa, Sept 2008. (engl.) [mehr]


Damit kommen die Vereinten Nationen zu ähnlichen Ergebnissen wie eine Studie aus dem Jahr 2006. Durch nachhaltige und ressourcenschonende Landwirtschaft (nur zum Teil Ökobetriebe) wurden in mehreren hundert Projekten quer über den Globus Ertragssteigerungen von durchschnittlich 79 Prozent erreicht. Bei Betrieben, die Pestizide einsetzten, konnte bei einer Reduzierung des Pestizideinsatzes um 77 Prozent ein Ertragsplus von über 40 Prozent erreicht werden. Zudem kamen die britischen Forscher zu dem Ergebnis, dass nachhaltige Landwirtschaft zum Klimaschutz beitragen kann: Durch Humusaufbau konnten in den untersuchten Betrieben und Projekten große Mengen CO2 im Boden gebunden werden.
Resource-Conserving Agriculture Increases Yields in Developing Countries (2006) (engl.) [mehr]


Bei einem über 20 Jahre durchgeführten vergleichenden Dauerversuch stellten Schweizer Forscher fest: Energie- und Düngereinsatz waren bei ökologischer Bewirtschaftung um 34 bis 53 Prozent geringer, die Erträge sanken gegenüber der konventioneller Bewirtschaftung um lediglich 20 Prozent.
Soil Fertility and Biodiversity in Organic Farming (2002) (engl.) [mehr]