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Ökologische Folgen

Auch bei den ökologischen Folgen der Agro-Gentechnik gilt, dass viele Bereiche nach wie vor so gut wie nicht erforscht sind. Der Grund könnte u.a. darin liegen, dass insbesondere in den USA kritische Forschung so gut wie nicht mehr stattfinden kann. Als ökologischer Effekte werden vor allem verstanden:


Gentechnikkonzerne kontrollieren Forschung
In einem Memorandum beklagten im Jahr 2009 mehr als zwei Dutzend US-Forscher die Kontrolle der Gentechnikkonzerne über ihre Forschungsergebnisse. Letzten Endes bestimmen die Firmen, welche Ergebnisse in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Dadurch, so die Forscher, gäbe es „keine wirklich unabhängige Forschung“ bezüglich zahlreicher wichtigen Fragen.
Crop scientists say biotechnology seed companies are thwarting research (New York Times, 19.2.2009) [mehr]


Das Wissen über die für die Risikobewertung von transgenen Pflanzen höchst bedeutsamen Auskreuzungsdistanzen wächst in den letzten Jahren rapide. Damit einher geht die Erkenntnis, dass Pflanzenpollen oft in jeder gemessenen Entfernung auch nachgewiesen werden können. Eine gute Überblicksstudie, die allerdings bereits einige Jahre alt ist und daher neuere Ergebnisse nicht berücksichtigt, wurde vom Freiburger Ökoinstitut verfasst.
Aufbereitung des Wissensstandes zu Auskreuzungsdistanzen (2004) [mehr]


Schweizer Forscher fanden bei einem Mais-Auskreuzungsexperiment (nicht mit Gentechnik-Mais durchgeführt) Fremdpollen noch in der weitesten gemessenen Entfernung von 4,4 Kilometern.
Simulation of transgenic pollen dispersal by use of different grain colour maize (2005) [mehr]


Einer Studie der Universität Lille zufolge konnten Auskreuzungen bei Zuckerrüben in bis zu 9,6 Kilometern Entfernung beobachtet werden.
Long distance pollen-mediated gene flow at a landscape level: the weed beet as a case study (2007) (engl.) [mehr]


Sogar beim selbstbestäubenden Weizen, der nicht als auskreuzungsfreudig gilt, konnten kanadische Wissenschaftler Auskreuzungen noch in 2,75 Kilometern Entfernung nachweisen.
Pollen-mediated gene flow in wheat at the commercial scale (2008) (engl.) [mehr]


Auch die Saatgutproduktion ist daher nicht vor gentechnischer Kontamination geschützt. Die Wissenschaftlervereinigung Union of Concerned Scientists untersuchte im Jahr 2004 gentechnikfreies Mais-, Raps-, und Soja-Saatgut in den USA. Ergebnis: 50 Prozent aller Mais- und Soja-Saatgutproben waren mit gentechnischen Konstrukten kontaminiert, bei Raps waren es sogar 83 Prozent.
Gone to seed (2004) (engl.) [mehr]


Noch drastischer waren die Ergebnisse, als kanadische Forscher im Jahr 2003 gentechnikfreies Rapssaatgut auf Anteile von Gentechnik-Raps untersuchte. Von 33 untersuchten Saatgutproben war nur eine einzige nicht durch gentechnisch veränderten Raps kontaminiert.
Evidence of contamination of IR (Brassica napus) seedlots in western canada with genetically engineered herbicide resistance traits (2003) (engl.) [mehr]


Auskreuzungsereignisse lassen sich nicht mathematisch vorausberechnen. Laut einer Studie, die im renommierten Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht wurde, war die Auskreuzungsrate von transgenem, herbizidresistentem Raps in 1,5 Kilometern Entfernung vom Gentechnikacker am höchsten.
Pollen-Mediated Movement of Herbicide Resistance Between Commercial Canola Fields. Science (2002) (engl.) [mehr]


Nicht nur Auskreuzung führt zu Kontamination. Die Samen vieler Nutzpflanzen können oft über Jahrzehnte im Boden verbleiben, ohne ihre Keimfähigkeit zu verlieren. Besonders ausdauernd ist der Raps, dessen Samen 20 Jahre und mehr im Boden überdauern können. So fanden schwedische Forscher noch zehn Jahre nach Beendigung eines Freilandversuchs mit genverändertem Raps transgene Pflanzen auf dem Acker.
Long-term persistence of GM oilseed rape in the seedbank (2008) (engl.) [mehr]


Besonders kritisch ist es, wenn Gentechnik-Pflanzen in so genannte wilde Verwandte auskreuzen. Denn Wildpflanzen überleben auch ohne menschliche Pflege, die Transgene geraten damit völlig außer Kontrolle. Allein in Deutschland hat z.B. Raps rund ein Dutzend wilde Kreuzungspartner. Forscher in Kanada konnten erst unlängst den Beweis erbringen, dass Genkonstrukte von transgenem Raps in einer Wildform (Rübsen) über den gesamten Untersuchungszeitraum von sechs Jahren nachweisbar waren.
Do escaped transgenes persist in nature? (2008) (engl.) [mehr]


Dramatisch sind Kontaminationen auch, wenn alte und traditionelle Sorten von Nutzpflanzen in deren Herkunftsgebieten gentechnisch verunreinigt sind. Durch Nachbau und Saatguttausch können hier schon minimale Anfangskontaminationen weitreichende Auswirkungen haben. So konnten US-Forscher schon im Jahr 2001 Gen-Mais in Mexiko nachweisen, obwohl er dort offiziell nie angebaut worden war. Höchst wahrscheinlich ist US-Mais, der von mexikanischen Bauern als Saatgut verwendet wurde, an der Verunreinigung schuld.
Transgenic DNA introgressed into traditional maize landraces in Oaxaca, Mexico (2001) (engl.) [mehr]


Diese Ergebnisse stehen mittlerweile wissenschaftlich unzweifelhaft fest und wurden sowohl 2004 von einer mit überwiegend gentechnikfreundlichen Wissenschaftlern besetzten Kommission als auch in zwei im Jahr 2009 publizierten Studien bestätigt.
Maize and Biodiversity: The Effects of Transgenic Maize in Mexico (2004) (engl.) [mehr]
Unwanted Transgenes Re-Discovered in Oaxacan Maize (2009) (engl.) [mehr]
Transgenes in Mexican maize: molecular evidence and methodological considerations for GMO detection in landrace populations (2009) (engl.) [mehr]


Kontaminationen über Pollenflug, verunreinigtes Saatgut, Durchwuchs oder technische Verunreinigung werden seit einigen Jahren in einer Datenbank erfasst. Mittlerweile sind dort weit über 200 Fälle dokumentiert. [mehr]


Auf der Basis dieser Erkenntnisse wird die so genannte Koexistenz zwischen gentechnikfreier Landwirtschaft und GVO-Landwirten höchst fraglich. Auch, weil der Kennzeichnungsgrenzwert von 0,9 Prozent in Europa im Anbau keine Rolle spielt. Lebensmittelverarbeiter nehmen in der Regel keine Ware an, die höher als 0,1 Prozent kontaminiert ist. Auf der Basis dieses Werts, das ist das Ergebnis der europaweit größten Studie zur Koexistenz, ist ein Nebeneinander von Gentechnikanbau und gentechnikfreier Landwirtschaft praktisch unmöglich. Eine erstaunliche Einsicht, wenn man sieht, das zahlreiche gentechnikfreundliche Wissenschaftler – auch aus Deutschland – in führender Position an dieser Studie mitgewirkt haben.
GM and non GM supply chains: Their COEXistence and TRAceability: Outcomes of Co-Extra (2009) (engl.) [mehr]


Im Deutschlandfunk gab der Leiter der Studie, Yves Bartheau, zu: "Wenn man diesen Grenzwert 0,1 Prozent, der für die Produzenten vertraglich festgelegt wurde, heranzieht ebenso wie die verfügbaren Modelle über die Ausstreuung, bedeutet dies: Eine Koexistenz auf individueller Ebene ist quasi nicht möglich. Entweder müssen die Gentechfelder sehr weit entfernt liegen von denen mit herkömmlicher Aussaat. Oder es müssen spezielle Anbaubecken gefunden werden. [mehr]


Ausbreitung von Schädlingen in Gentechnik-Mais
In den USA breitet sich ein Maisschädling aus, der den Landwirten erhebliche Schäden beschert. Der Westliche Bohnenschneiderwurm hat sich im Mais-Gürtel der USA seit Jahren vermehrt, weil sein Nahrungskonkurrent, der Maiszünsler, durch den Einsatz von Bt-Mais stark zurückgedrängt wurde. Gegen den Bohnenschneider wirkt das Bt-Toxin der meisten Gentechnik-Pflanzen nicht. In einigen Regionen des US-Maisgürtels verursacht der Bohnenschneider bereits bis zu 50 Prozent Ernteverluste.
Gentechnisch veränderter Mais fördert Ausbreitung von Schädlingen (Testbiotech, 2010) [mehr]