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Aktuelles Statement: JA - für einen AGRO-Gentechnikfreien Landkreis Ga...
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Ökonomische Folgen

Der Einsatz von Gentechnik produziert wenige Gewinner und viele Verlierer. Während die Gentechnik-Konzerne satte Gewinne einfahren, kämpfen insbesondere Imker und ökologisch wirtschaftende Betriebe ums Überleben. Mit dem Monokulturanbau und der Umwandlung von Regenwald in Ackerland treten zudem verstärkt soziale Konflikte (besonders dramatisch derzeit in Paraguay und Brasilien) auf. Auch gesamtwirtschaftlich verursacht die Agro-Gentechnik hohe Kosten: Für die Reinhaltung von Lebensmitteln, Trennung von Warenströmen, aber auch durch Umsatzeinbrüche nach großen Kontaminationsfällen wie dem LL601-Reis von Bayer.

Die wahren Kosten der Koexistenz
Welche Kosten entstehen beim Nebeneinander von transgenen und konventionellen Pflanzen? Wie wirkt sich die Koexistenz auf die Kosten der Lebensmittelproduktion aus? Und wie können solche wirtschaftlichen und andere sozioökonomische Effekte im Rahmen von Zulassungsverfahren bewertet werden? Diese Fragen werden in einer Studie der Umweltorganisation Friends of the Earth diskutiert.
The socio-economic effects of GMOs - Hidden costs for the food chain (2011) (engl.) [mehr]
Deutsche Kurzfassung: Die Kosten der Koexistenz [mehr]


In einem ersten Versuch, die volkswirtschaftlichen externen Kosten der Agro-Gentechnik zu fassen, fanden die Autoren Christoph Then und Antje Lorch heraus, dass sich die Kosten für die Erhaltung der gentechnikfreien Warenströme allein in der EU und Japan auf jährlich 100 Mio US-$ summieren. Darin sind die Aufwendungen der regionalen Erzeuger und Händler nicht einmal eingerechnet. Hinzu kommen Kosten für die bisher bekannten großen Kontaminationsfälle (Starlink-Mais, Bt10-Mais, LL601-Reis), die sich auf insgesamt mehrere Milliarden US-$ summieren.
Schadensbericht Gentechnik (2009) [mehr]


Steht dem ein wirtschaftlicher Gewinn für die Gentechnik-Anbauer gegenüber? Zwei Studien über den Genmais-Anbau in Deutschland beantworten diese Frage mit Nein.
„Die erwarteten ökonomischen Vorteile (Ertragsplus durch geringeren Schaden, bessere Nährstoff- und Energiegehalte durch ungestörte Wasser- und Nährstoffversorgung) des Anbaus von Bt-Mais als Silomais blieb allerdings in den Untersuchungsjahren aus.“
Ökologische und phytomedizinische Untersuchungen zum Anbau von Bt-Mais im Maiszünsler-Befallsgebiet Oderbruch (2005) [mehr]


Zweijährige Untersuchungen in Sachsen ergaben, dass sich der Anbau von Bt-Mais nicht rechnet. Bei Körnermais ist davon auszugehen, dass ein Mehraufwand für Bt-Mais von ca. 60 Euro/Hektar erst dann ökonomisch lohnend ist, wenn ca. 3 dt/Hektar zu ca. 20 Euro/dt mehr geerntet werden. Bei Silomais wird diese ökonomische Schwelle wirksam, wenn ein Mehrertrag von ca. 5Prozent eintritt.
Untersuchungen zum Anbau von GVO in Sachsen: Schriftenreihe der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft (2008) [mehr]


Im einzigen großen Gentechnik-Anbauland in Europa ist die ökonomische Bilanz von Bt-Mais ebenfalls nicht überzeugend. Nur in einer von drei spanischen Provinzen konnten Gentechnik-Anbauer statistisch klar mehr Gewinn im Vergleich zu konventionellem Mais erzielen. Laut den Autoren ist ein Grund, dass es keinerlei Koexistenzmaßnahmen gibt und damit auch keine Kosten für Gentechnik-Bauern entstehen.
Bt corn in Spain – the performance of the EUs first GM crop (2008) (engl.) [mehr]


Die Opfer des Gentechnik-Anbaus sind unter anderem die Ökobauern. In Katalonien brach der Anbau vin Bio-Mais um 75 Prozent ein.
Coexistence of plants and coexistence of farmers: is an individual choice possible? (2008) (engl.) [mehr]


Auch die so genannte Koexistenz kostet, z.B. bei der gemeinschaftlichen Maschinennutzung in Gebieten, in denen konventionelle neben gentechnisch veränderten Pflanzen wachsen. Im Bereich des landwirtschaftlichen Alltags und beim überbetrieblichen Maschineneinsatz gibt es zahlreiche Quellen für eine Kontamination mit gentechnisch verändertem Erntegut. Eine Vermeidung dieser Kontamination ist nur unter hohem Aufwand zu erreichen.
Koexistenz im landwirtschaftlichen Alltag. Bericht zur Verbreitung von gentechnisch verändertem Material durch Landmaschinen (2006) [mehr]


Nach Auswertung der wissenschaftlichen Literatur kam die Wissenschaftlerorganisation Union of Concerned Scientists zu dem Ergebnis, dass die Gentechnik bislang praktisch keinen Beitrag zur Steigerung der Erträge beigesteuert hat.
Failure to yield (2009) (engl.) [mehr]


Die gleiche Organisation berichtet von massiven Kostensteigerungen bei gentechnisch verändertem Saatgut in den USA. So war beim Baumwoll-Saatgut zwischen 1975 und 1996 lediglich eine Verdopplung des Preises feststellbar. Nach Einführung von Gentechnik-Baumwolle stieg der Preis von 73 auf 589 US-$.
The Magnitude and Impacts of the Biotech and Organic Seed Price Premium (2009) (engl.) [mehr]


Auch ein Zusammenschluss von US-Bauernorganisationen beklagt höhere Preise sowie drastisch reduzierte Wahlfreiheit bei der Auswahl von Saatgut.
Out of Hand (2009) (engl.) [mehr]


Der bisherige Nutzen des Einsatzes transgenen Saatguts in Entwicklungs- und Schwellenländern erscheint in Bezug auf das Spektrum der Pflanzenarten, Sorten und Eigenschaften begrenzt. Die Datenlage zu den sozioökonomischen Effekten ist nach wie vor schwach und lässt noch nicht einmal auf nationaler Ebene eine abschließende Bewertung der bisherigen betriebs- und volkswirtschaftlichen Effekte (Erträge, Gewinne und Gewinnverteilung, Sektoreinkommen) zu.
Transgenes Saatgut in Entwicklungsländern – Erfahrungen, Herausforderungen, Perspektiven (2009) [mehr]